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Nachkalkulation in der Zerspanung: echte Maschinenzeit neben der Kalkulation

Eine Nachkalkulation stellt nach einem Fertigungsauftrag die tatsächlichen Zeiten und Kosten neben das, was du kalkuliert hast. In der Zerspanung geht es dabei vor allem um Maschinenzeit. So machst du sie, und so verbesserst du damit Preise und Margen.

Stand: 11. Oktober 2026

Was ist eine Nachkalkulation?

Bevor ein Fertigungsauftrag beginnt, machst du eine Vorkalkulation: wie viel Rüstzeit, wie viele Minuten pro Teil, welcher Maschinenstundensatz. Darauf beruht der Preis im Angebot. Die Nachkalkulation machst du, wenn der Fertigungsauftrag fertig ist. Du stellst die tatsächlichen Zeiten und Kosten neben die Kalkulation und siehst, wo sie abweichen.[1]

In vielen Zerspanungsbetrieben passiert das nicht oder nur ab und zu. Die tatsächlichen Zeiten sind mühsam zu sammeln: Ein Bediener schreibt sie auf einen Laufzettel, jemand tippt sie ab, und kurze Unterbrechungen fallen weg. Dann bleibt die nächste Kalkulation eine Schätzung auf Basis der letzten Schätzung.

Warum es sich lohnt

  • Du siehst, welche Teile Geld kosten. Ein Teil, das immer länger läuft als kalkuliert, bringt mit jedem neuen Fertigungsauftrag weniger ein. Ohne Nachkalkulation merkst du das erst am Jahresergebnis.
  • Du bietest schärfer an, wo es geht. Läuft ein Teil schneller als kalkuliert, hast du Luft im Preis. Das kann bei der nächsten Anfrage den Ausschlag geben.
  • Deine Kalkulation lernt aus der Praxis. Gemessene Zeiten früherer Fertigungsaufträge sind eine bessere Basis als Erfahrungswerte aus dem Kopf.
  • Du findest Prozessverluste. Eine grosse Abweichung liegt nicht immer an der Kalkulation. Manchmal ist der Prozess langsamer geworden: ein stumpfes Werkzeug, ein geringerer Vorschub, ein langes Rüsten.

Was du pro Fertigungsauftrag misst

Für die Nachkalkulation der Maschinenzeit brauchst du pro Fertigungsauftrag diese Zeiten. Sie gehören zum Status der Maschine: Rüsten (magenta), Aktiv (grün), Wechsel (orange) und Nicht produktiv (grau).

ZeitWas sie ist und wann sie besonders zählt
RüstzeitDie magentafarbene Zeit vor dem ersten Werkstück: Die Maschine wird gerüstet, mit Spannen, Werkzeugen und Nullpunkt. Einmal pro Charge, also besonders wichtig bei kleinen Losen.
AktivzeitDie grüne Zeit, in der die Maschine das Werkstück bearbeitet. Der grösste Teil der Zykluszeit.
WechselzeitDie orange Zeit, in der das Werkstück zwischen zwei Teilen gewechselt wird, nicht der Werkzeugwechsel. Der zweite Teil der Zykluszeit: klein pro Wechsel, gross in der Summe.
ZykluszeitAktivzeit plus Wechselzeit: die Zeit pro Teil. Zählt pro Teil, also besonders wichtig bei grossen Losen.
StillstandDie graue Zeit, in der die Maschine während des Fertigungsauftrags steht: Warten auf Material, auf eine Freigabe, eine Störung. Selten in der Kalkulation, immer in der Durchlaufzeit.

Dazu brauchst du die Zahl der Gutteile und den Ausschuss. Ein Fertigungsauftrag über 100 Teile, von denen 6 neu gefertigt werden müssen, kostet mehr Maschinenzeit als kalkuliert, auch wenn jeder Zyklus pünktlich war.

Pro Teil und pro Charge getrennt vergleichen

Rechne die Rüstzeit nicht auf eine Zeit pro Teil um, bevor du vergleichst. Die Rüstzeit hängt davon ab, wie oft du rüstest, die Zykluszeit (Aktivzeit plus Wechselzeit) von der Stückzahl. Wer alles addiert und durch die Stückzahl teilt, sieht bei kleinen Losen eine zu hohe und bei grossen Losen eine zu niedrige Stückzeit und weiss nicht, woher die Abweichung kommt.

Rechenbeispiel

Die Zahlen sind ein ausgedachtes Beispiel. Ein Fertigungsauftrag über 200 Teile auf einem Bearbeitungszentrum. Die Kalkulation geht von 45 Minuten Rüstzeit und einer Zykluszeit von 6:00 Minuten pro Teil aus, Aktivzeit und Wechselzeit zusammen. Der Maschinenstundensatz beträgt 80 €.

KalkulationTatsächlich
Rüstzeit45 min70 min
Zykluszeit pro Teil6:00 min7:30 min
200 Teile1.200 min1.500 min
Gesamt1.245 min1.570 min

Die Differenz beträgt 325 Minuten, gut 5,4 Stunden. Bei 80 € pro Stunde sind das 433 €, die nicht im Preis steckten. Von den 325 Minuten kommen 300 aus der Zykluszeit und 25 aus dem Rüsten. Die erste Frage ist also nicht, warum das Rüsten länger dauerte, sondern warum jedes Teil anderthalb Minuten länger brauchte. Gemessen in Aktivzeit und Wechselzeit siehst du, ob das Zerspanen oder der Wechsel länger dauerte.

Läuft dasselbe Teil beim nächsten Fertigungsauftrag wieder 7:30 pro Teil, lag die Kalkulation daneben, und du passt sie an. War es einmalig, zum Beispiel wegen anderen Materials, notierst du die Ursache und lässt die Kalkulation stehen.

Wie du damit steuerst

  1. Sieh dir jede Woche die grössten Abweichungen an. Sortiere die abgeschlossenen Fertigungsaufträge der Woche nach der Differenz zwischen tatsächlicher und kalkulierter Zeit. Nimm die drei grössten Verlierer und die drei grössten Gewinner.
  2. Frag bei jedem Verlierer: Kalkulation oder Prozess? Stimmt die kalkulierte Zeit nicht, passt du die Kalkulation an. Ist der Prozess langsamer, als er sein könnte, gehst du den Prozess an.
  3. Nutze die Gewinner für deine Preise. Läuft ein Teil immer schneller als kalkuliert, kannst du schärfer anbieten oder die Marge bewusst behalten. Beides ist eine Entscheidung, kein Zufall.
  4. Geh die Rüstzeit getrennt an. Lange Rüstzeiten verkürzt du mit SMED: Alles, was geht, solange die Maschine noch läuft, erledigst du vorher.[2] Mehr dazu auf der Seite Rüstzeit messen und reduzieren.
  5. Aktualisiere die Kalkulation mit gemessenen Zeiten. Nimm bei einem neuen Fertigungsauftrag für ein bekanntes Teil die durchschnittliche gemessene Zeit früherer Chargen, nicht die alte Kalkulation.

Typische Fehler

  • Nur die Gesamtzeit vergleichen. Dann siehst du, dass etwas schiefging, aber nicht was.
  • Zeiten vom Laufzettel verwenden. Handerfassung übersieht kurze Stopps und rundet.
  • Den Ausschuss vergessen. Jedes Ausschussteil kostet einen vollen Zyklus, den niemand bezahlt.
  • Einen Ausreisser zur neuen Norm machen. Sieh dir mehrere Chargen an, bevor du eine Kalkulation änderst.

Nachkalkulation mit gemessenen Maschinenzeiten

Rüstzeit, Aktivzeit, Wechselzeit und Stillstand kommen bei CNC-Maschinen direkt aus der Steuerung; die Zykluszeit ist Aktivzeit plus Wechselzeit. Smart Factory misst sie automatisch pro Maschine, pro Charge und pro NC-Programm. Pro NC-Programm siehst du die bezahlte, die ideale und die durchschnittliche tatsächliche Zeit nebeneinander. Die bezahlte Zeit kommt aus dem ERP (Paket Ultimativ) oder wird von Hand eingetragen. So siehst du nach jeder Charge, ob die Arbeit im Rahmen der Kalkulation blieb, ohne dass Bediener Zeiten aufschreiben.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Vorkalkulation und Nachkalkulation?

Die Vorkalkulation machst du, bevor der Fertigungsauftrag beginnt, mit geschätzten Zeiten und Kosten. Darauf beruht der Preis. Die Nachkalkulation machst du danach, mit den tatsächlichen Zeiten und Kosten, und vergleichst sie mit der Vorkalkulation.

Wie oft sollte ich nachkalkulieren?

Halte die tatsächlichen Zeiten bei jedem abgeschlossenen Fertigungsauftrag fest und sieh dir die Abweichungen einmal pro Woche an. So erkennst du Muster, bevor dasselbe Teil wieder bestellt wird.

Soll ich die Rüstzeit pro Teil rechnen?

Nicht beim Vergleichen. Vergleiche die Rüstzeit pro Charge und die Zykluszeit pro Teil, dann siehst du, woher eine Abweichung kommt. Erst für den Preis verteilst du die Rüstzeit auf die Stückzahl.

Brauche ich ein ERP-System für die Nachkalkulation?

Nein. Die kalkulierten Zeiten kannst du auch von Hand erfassen. Mit einer ERP-Anbindung kommen sie automatisch mit dem Fertigungsauftrag.

Über Smart Factory

Smart Factory misst Rüstzeit, Aktivzeit, Wechselzeit und Stillstand direkt aus der CNC-Steuerung und stellt sie pro NC-Programm neben die bezahlte Zeit. Mehr dazu: Maschinendatenerfassung für CNC-Maschinen und Preise.

Quellen

  1. Duden Wirtschaft von A bis Z, 6. Auflage 2016: Kalkulation (Lizenzausgabe der Bundeszentrale für politische Bildung)
  2. Shigeo Shingo: A Revolution in Manufacturing. The SMED System. Productivity Press, 1985

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