Smart Factory

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Smart Factory: Bedeutung, Beispiele und erste Schritte für Zerspaner

Eine Smart Factory ist eine Fabrik, in der Maschinen, Fertigungsaufträge und Menschen ihre Daten automatisch austauschen. Was das für einen Betrieb mit CNC-Maschinen heißt, und womit du anfängst.

Stand: 13. Oktober 2026

Was bedeutet Smart Factory?

Smart Factory heißt wörtlich „intelligente Fabrik“, oft sagt man auch „smarte Fabrik“. Gemeint ist eine Produktion, in der Maschinen, Software und Menschen vernetzt sind. Daten entstehen automatisch an der Maschine und stehen sofort dort zur Verfügung, wo jemand eine Entscheidung trifft. Die Fabrik meldet selbst, was läuft, was steht und warum. Niemand muss es am Schichtende aufschreiben.

Smart Factory ist auch der Name unseres Unternehmens. In diesem Artikel geht es um den allgemeinen Begriff.

Woher der Begriff kommt

Der Begriff ist älter als Industrie 4.0. Schon 1991 erschien in der amerikanischen Fachzeitschrift AI Expert ein Beitrag mit dem Titel „Smart factory layout“.[1] In Deutschland ist der Begriff eng mit Kaiserslautern verbunden. Dort gründeten sieben Partner, darunter das Deutsche Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI), 2005 den Verein Technologie-Initiative SmartFactory KL. Ziel war, die Vision der smarten Fabrik der Zukunft zu demonstrieren.[2] Gründer war Prof. Detlef Zühlke.[3]

Sechs Jahre später wurde das Konzept Industrie 4.0 auf der Hannover Messe 2011 erstmals der breiten Öffentlichkeit vorgestellt.[4] Industrie 4.0 beschreibt die Vernetzung der ganzen Wertschöpfung. Die Smart Factory beschreibt, wie das in einer einzelnen Fabrik aussieht.

Smart Factory, Industrie 4.0 und MDE

  • Industrie 4.0: das Gesamtkonzept für die vernetzte Produktion, über Unternehmensgrenzen hinweg.
  • Smart Factory: eine Fabrik, in der dieses Konzept umgesetzt ist.
  • Maschinendatenerfassung (MDE) und Betriebsdatenerfassung (BDE): die Werkzeuge, die die Daten liefern. Ohne sie bleibt die Smart Factory ein Bild auf einer Folie.

Fünf Beispiele aus der Zerspanung

1. Maschinenstatus live

Jede Maschine meldet selbst, ob sie ein Werkstück bearbeitet, ein Werkstück wechselt, gerüstet wird oder steht. Der Meister sieht das auf Tablet, Handy oder einem Bildschirm in der Halle, statt durch die Halle zu gehen.

2. Kennzahlen ohne Strichliste

Aktivzeit, Rüstzeit, Wechselzeit und Stückzahl kommen direkt aus der Steuerung. Daraus entstehen Kennzahlen wie Auslastung und OEE ohne Handarbeit. Wie du die OEE berechnest, steht im Artikel OEE berechnen in der Zerspanung.

3. Rüstzeiten messen statt schätzen

Wie lange das Rüsten für einen Fertigungsauftrag wirklich gedauert hat, steht danach fest. Mit diesen Werten wird die nächste Kalkulation genauer. Mehr dazu auf der Seite Rüstzeit messen und reduzieren.

4. Werkzeugdaten ohne Abtippen

Das Werkzeugvoreinstellgerät schickt Länge und Radius direkt in die Werkzeugtabelle der Steuerung, über das Netzwerk oder einen Datenträger am Werkzeughalter. Niemand tippt Zahlen ab, und Tippfehler fallen weg.

5. Mannlose Schicht mit Überblick

Ein Palettensystem oder Roboter belädt die Maschine in der Nacht. Am Morgen zeigt der Verlauf, wann die Maschine stand und wie lange. So lässt sich prüfen, ob sich die Nachtschicht gelohnt hat.

Was eine kleine Fertigung heute schon umsetzen kann

Smart Factory klingt nach Großkonzern, Roboterzelle und Millionenbudget. Für einen Betrieb mit fünf bis fünfzig Maschinen beginnt sie kleiner: mit der Frage, wie viele Stunden die Spindeln wirklich laufen. Ohne Messung bleibt diese Zahl eine Schätzung.

Steuerungen von Heidenhain, Siemens, Fanuc, Haas, Mazak und Okuma lassen sich über das Netzwerk auslesen. Sensoren an der Maschine brauchst du dafür nicht. Neue Maschinen bringen oft eine OPC-UA-Schnittstelle mit. Mit umati gibt es dafür eine gemeinsame Sprache für Werkzeugmaschinen.[5]

Erste Schritte

  1. Messen, bevor du planst. Wie viele Stunden laufen die Maschinen, wie lange dauert das Rüsten, warum stehen sie?
  2. Automatisch erfassen, nicht per Hand. Handschriftliche Listen erfassen kurze Unterbrechungen selten, und gerade die summieren sich.
  3. Sichtbar machen, wo gearbeitet wird. Ein Bildschirm in der Halle und das Tablet beim Meister.
  4. Eine Kennzahl wählen und vier Wochen verfolgen, zum Beispiel Auslastung oder OEE.
  5. Erst danach verbinden: Rückmeldung ins ERP, Planung, Automatisierung.

Typische Fehler

  • Mit einer großen Plattform anfangen statt mit einer konkreten Frage.
  • Daten sammeln, die niemand ansieht.
  • Bediener nicht einbinden. Wer die Zahlen nicht versteht, misstraut ihnen.
  • Kennzahlen vergleichen, die unterschiedlich definiert sind. Das passiert bei der OEE besonders oft.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Smart Factory und Industrie 4.0?

Industrie 4.0 ist das Gesamtkonzept für die vernetzte Produktion. Eine Smart Factory ist eine einzelne Fabrik, in der dieses Konzept umgesetzt ist.

Braucht eine Smart Factory neue Maschinen?

Nein. Viele CNC-Steuerungen lassen sich über das Netzwerk auslesen. Der Einstieg ist meist die automatische Erfassung von Status, Zeiten und Stückzahl an den vorhandenen Maschinen.

Womit sollte ein kleiner Betrieb anfangen?

Mit Messen: Wie lange laufen die Maschinen, wie lange dauert das Rüsten, warum stehen sie? Erst mit diesen Zahlen lohnt sich die Planung weiterer Schritte.

Ist Smart Factory auch ein Firmenname?

Ja. Smart Factory aus Haaksbergen in den Niederlanden entwickelt Software zur Maschinendatenerfassung für CNC-Betriebe. In diesem Artikel geht es um den allgemeinen Begriff.

Über Smart Factory

Smart Factory liest den Status jeder Maschine (Aktiv, Wechsel, Rüsten oder Nicht produktiv) und die Stückzahl direkt aus der CNC-Steuerung und zeigt sie live auf Handy, Tablet, PC und Smart-TV. Mehr dazu: Maschinendatenerfassung für CNC-Maschinen und Preise.

Quellen

  1. Justin Kestelyn: Smart factory layout. AI Expert, vol. 6, no. 1, 1991, p. 72 (ACM Digital Library)
  2. DFKI: 15 Jahre SmartFactory Kaiserslautern (17.09.2020)
  3. SmartFactory-KL: Über uns
  4. acatech: Industrie 4.0 feiert 10-jähriges Jubiläum (12.04.2021)
  5. umati: About

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